Persönliche Tarotkarten

Tarot ist in erster Linie ein Orakelspiel. Es lebt vom Kontakt mit den Karten, vom Mischen, Abheben, Ausfächern, Ziehen und Auslegen der Karten. Man kann sich aber auch über numerologische Zusammenhänge mit dem Geburtsdatum Karten berechnen. Begriffe wie Persönlichkeitskarte, Wesenskarte, Jahreskarte, Wachstumskarte, Seelensymbol, Spiritualitätssymbol, Entwicklungssymbol gehören in diesen Bereich.

Da vielfach Verwirrung über die Berechnung und Gültigkeit dieser Karten besteht, habe ich hier einmal die wichtigsten Informationen zusammengestellt. Orientiert habe mich in diesem Artikel an den Darstellungen von Angeles Arrien, Rachel Pollack und Hajo Banzhaf.

Technik der Berechnung:

Zunächst wird Tag, Monat und (Geburts-)Jahreszahl zusammengezählt. Üblicherweise kommt hier für lebende Menschen eine Zahl irgendwo im Bereich zwischen 1900 und 2050 heraus. Hiervon wird dann die Quersumme berechnet. Sollte sie über 22 liegen, wird ein weiteres Mal die Quersumme genommen.
Als Beispiele:

A - 28.02.1970 : 28+02+1970 = 2000
Quersumme: 2+0+0+0 = 2


B - 11.11.1971 : 11+11+1971 = 1993
Quersumme: 1+9+9+3 = 22


C - 18.09.1971 : 18+9+1971 = 1998
Quersumme: 1+9+9+8 = 27, liegt über 22
weitere Quersumme: 2+7 = 9

Diese Zahl liegt also zwischen 1 und 22

Die Berechnung einer Quersumme aus allen einzelnen Ziffern von Tag, Monat, Jahr liefert oft ein anderes und damit falsches Ergebnis!
Beim ersten Beispiel 2+8+0+2+1+9+7+0 = 29 ergäbe sich eine 11.
Dass die beiden Ergebnisse (2 und 11) über ihre Quersumme zusammenhängen ist nichts Mystisches, sondern reine Mathematik.

Persönlichkeitskarte und Wesenskarte
(bei Angeles Arrien: Seelensymbol und Spiritualitätssymbol)

Hier wird aus Geburts -Tag, -Monat und -Jahr nach obigem Verfahren eine Zahl berechnet und die zugehörige Tarotkarte aus der Großen Arkana bestimmt. Dabei entspricht die 22 dem Narren.

Das ist die Persönlichkeitskarte: sie beschreibt das Auftreten, das typische Verhalten eines Menschen.

Hinter diesem 'Auftreten' steckt aber eine tiefe innere Motivation (sozusagen der Kern der Persönlichkeit) - das innere 'Wesen' des Menschen. Dies wird durch die Wesenskarte beschrieben. Diese bekommt man, wenn man die Zahl der Persönlichkeitskarte weiter quersummiert....

Wenn die Personenkarte schon einstellig ist, dann entsprechen sich Personen- und Wesens-Karte. Das ist für den Menschen die 'einfachere' Konstellation, weil eben innerstes Wollen und Auftreten/Verhalten in Einklang sind.

In vielen Fällen (10-18,20,21,22) reicht *ein* weiteres quersummieren, um von der 'äußeren' Personenkarte (PK) zur 'inneren' Wesenskarte (WK) zu kommen. Da die Karten über die Quersumme 'verwandt' sind (Teufel 15 mit Liebenden 6 usw.) ist hier durch das Verfahren eine gewisse Parallele von innerem Wesen und seinem Ausdruck gegeben. Dennoch (persönliche Erfahrung, nicht 'Tarot-Wissenschaft') sind sie durch diesen Unterschied 'schwierigere' Menschen im Umgang. Sie sind halt nicht so gaaanz eindeutig.

in den obigen Beispielen hat
A: PK = 2 Hohepriesterin; WK = 2 Hohepriesterin
B: PK = 22 Narr; WK = 4 Kaiser
C: PK = 9 Eremit; WK = 9 Eremit

Im Falle Personenkarte = 19 (Sonne) ist der Fall etwas komplizierter. Das 'innerste(!!!) Wesen' ist dann nämlich erst durch *zwei*maliges Bilden der Quersumme zu erreichen: 1-der Magier.
Dazwischen liegt das Rad des Schicksals (auch 'Fortune'). Für diese Menschen ist es eine schicksalhafte (unvermeidliche) Aufgabe, 'Äußeres' und 'Inneres' zusammenzubringen. Alle Fähigkeiten (Magier) besitzen sie; aber es fällt ihnen schwer, sie auch voll zum Ausdruck zu bringen. Nicht ohne Grund ist auf der 'Sonne' immer eine trennende Mauer zu sehen!

Aber auch die Menschen, bei denen Persönlichkeits- und Wesenskarte übereinstimmt, haben noch eine Aufgabe - oder gar mehrere:
Zu jeder dieser 'einstelligen' Karten gehören nämlich die Karten, deren Quersumme die Persönlichkeits-/Wesenskarte ergibt.

Zur Hohepriesterin (2) gehören also noch die Lust (11) und Aeon (20) - dies wäre der Fall bei Beispiel A.
Zur Kaiserin (3) gehören noch Gehängter (12) und Universum (21)
Zum Kaiser (4) gehören noch Tod (13) und Narr (22)
Zum Hierophant (5) gehört noch Kunst/Mäßigung (14)
.... usw ...
Zum Eremit (9) gehört noch Mond (18) - dies wäre der Fall bei Beispiel C.

Diese Karten beschreiben Herausforderungen oder - wie ich es lieber nenne - Ideale, die für diesen Menschen immer im Hintergrund stehen. Sie werden nach Außen (meist) nicht so deutlich sichtbar, wie ein Unterschied in Persönlichkeits- und Wesenskarte. Sie bereiten dafür den Menschen mehr innere Probleme. Denn die Ideale müssen ('wollen') in Persönlichkeit und Wesen integriert werden!
In der Literatur finden sich für diese Karten sehr unterschiedliche Bezeichnungen, wie 'Aufgabenkarte', 'Auftragskarte' oder auch 'Abwesenheitskarte'.

Wachstums - und Jahreskarten
(bei Angeles Arrien: Entwicklungssymbol)

Damit dieser kleine Vortrag auch noch den letzten Teil der Tarot-Zahlenspielereien erfaßt, erzähl ich jetzt noch was zum Thema 'Wachstumskarte' und/oder 'Jahreskarte'. Die Wachstumskarte wird wie oben beschrieben errechnet aus GeburtsTAG, -MONAT und KALENDERjahr (des letzten Geburtstags).

in den obigen Beispielen:


A - 28.02.2004 : 28+02+2004 = 2034
Quersumme: 2+0+3+4 = 9


B - 11.11.2004 : 11+11+2004 = 2026
Quersumme: 2+0+2+6 = 10


C - 18.09.2004 : 18+9+2004 = 2031
Quersumme: 2+0+3+1 = 6

Diese Karte beschreibt das Thema, die Aufgabe, die in diesem Jahr anliegt, gelöst werden muß. Sie zeigt sozusagen die Aufgabe für 'Wachstum' der Persönlichkeit.

Einige Autoren berechnen eine Jahreskarte als 'direkte Quersumme'. (Bsp. A: 1+8+1+2+2+0+0+4= 18) Diese Jahres-Karte ist dann sozusagen das 'Ziel' des Jahres - der *Weg* zum Ziel wird durch die Wachstumskarte beschrieben.
Ich habe dieses Verfahren allerdings noch nicht angewandt. Die Beschreibung hier habe ich auch nur aus Gründen der Vollständigkeit gegeben.

Jetzt bleibt nur noch eine Frage offen, um die sich die Autoren gerne 'drücken':

Für welches Jahr gilt die Wachstumskarte?
Für das Kalenderjahr (ab 1.1. - 31.12)
oder für das neue Lebensjahr (also ab dem Geburtstag)????

Ich tendiere (nach Erfahrungen, die ich allerdings hier nicht schildern möchte) zu der Ansicht: Die Wachstumskarte gilt für das Lebensjahr!
Auch 'philosophisch' macht diese Sichtweise Sinn:
So gilt nämlich die Persönlichkeitskarte als Wachstumskarte für das gesamte erste Lebensjahr. Bezöge man die Wachstumskarte auf das Kalenderjahr hätten die Beispielpersonen B und C nach der Geburt nur für wenige Wochen ihre Persönlichkeitskarte als Wachstumskarte, während Person A fast ein Jahr Zeit für diese Wachstumsaufgabe gehabt hätte
Daher habe ich (heutiges Datum ist im Januar des Jahres 2005) für die Beispielpersonen A - C auch die aktuell gültige Wachstumskarte berechnet. Sie gilt ab dem letzten Geburtstag, der noch in 2004 lag und gilt bis zum nächsten Geburtstag, der bei B und C Ende dieses Jahres liegt; und bei A demnächst stattfindet - ab 28.2.2005 ist A in seinem Jahr des 'Rad des Schicksals'.


Bedeutung/Gewichtung der beschriebenen Karten

Wie schon eingangs kurz erwähnt, sind die Persönlichkeits- und Wesenskarten nur eine sehr allgemeine Beschreibung eines Menschen. Ich halte diese Beschreibung für ungefähr so allgemein wie das Sonnenzeichen in der Astrologie. In der Astrologie sind Sonnenzeichen und Aszendent ja auch noch unabhängige Größen es gibt 12*12=144 Kombinationen - und auch andere Planeten/Zeichen/Aspekte, die ein Horoskop dominieren können.
Im Tarot hat man 22 Persönlichkeitskarten und 9 Wesenskarten. Letztere werden auch noch aus der PK er*rechnet*. Zur PK Sonne kann es nie eine WK Kaiserin geben - nur als Beispiel. So werden die Menschen in 22 (nicht 22*9!!!) Typen eingeteilt. Wie ich finde ein zu grobes Raster.
Hinzu kommt, dass rein statistisch die Persönlichkeitskarten sehr unterschiedlich verteilt sind.
Preisfrage: Wann wurde der letzte Mensch mit PK Magier geboren? (Antwort: vor über 1000 Jahren!)
Ich meine, mich an eine Untersuchung zu erinnern, wonach die Welt heutzutage hauptsächlich von 'Hierophanten' besiedelt ist. Kann mich allerdings nicht mehr genau entsinnen.

Das Studium der PK/WK würd ich also mit der 'Bettlektüre für den geistvollen Wassermann' oder ähnlichen Büchern vergleichen...
...aber amüsant ist es allemal.

Zurück zu Persönlichkeit und Wesen. Da stütz ich mich nicht so sehr auf die errechneten PK/WK. So wie man auch nicht alle Wassermänner, Widder oder Skorpione usw. über einen Kamm scheren kann, sollte man wohl auch nicht alle Sonnen, Hierophanten oder Teufel gleichsetzen...

Wenn ich etwas über meine Persönlichkeit(en) lernen will, gibt es Dutzende von Legesystemen, die verschiedene Aspekte eines Menschen beleuchten. Systeme wie Johary-Fenster, Mackerlegung, Ahnenpfad, TreeOfLife und wie sie sonst noch alle heißen, geben ein *viel* besseres Bild von einem Menschen.

Diese Legesysteme kann man nicht nur für die 'persönliche Grundstruktur' (analog: Radix) nutzen, sondern auch für 'aktuell bedeutsame Charaktereigenschaften' (analog: Solar). Zu häufig sollte man sie aber nicht legen, denn soooo schnell ändern sich Charakterzüge nicht...


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